Wenn der Vater mit dem Sohne...
  09.09.2014 •     Pressemitteilung

Auch ein Stabhochspringer, der es bis auf Rang drei der Weltrangliste gebracht hat, erlebt gelegentlich etwas Neues. So erging es Piotr Lisek am Sonntagabend im Sindelfinger Freibad: „Ich bin noch nie so nah am Wasser gesprungen.“ Der Steg mit der Anlaufbahn war am Rand des 50-Meter-Beckens montiert. Angst hineinzufallen hatte angeblich keiner der Springer, obwohl sie sich zur Landseite hin über die Latte wanden. „Es hat Spaß gemacht, die Atmos-phäre war super“, befand der Sieger (die SZ/BZ berichtete) nach getaner Arbeit.

Für Stimmung sorgten die Athleten einerseits mit ihren Leistungen und andererseits, weil sie oben ohne antraten und ihre Muckis zeigten. „Wir haben das noch nie gemacht“, gestand der Leverkusener Jonas Efferoth, „aber wir haben uns gedacht, wenn wir schon mal im Freibad sind, dann geht das.“ Wir, das war vor allem er. Der 21-Jährige hatte seinen Vereinskameraden Marvin Caspari, den Landauer Lamin Krubally und den Kornwestheimer Marian Reichert zum Mitmachen angestiftet. Efferoth, Caspari und Reichert hatten sich die Brust mit ihren Sponsoren verziert und den Namen auf den Rücken geschrieben.

Nach der Wettkampfordnung der Leichtathleten ist das nicht erlaubt. Deshalb kennen die Leichtathleten sonst nur den Oberkörper von Olympiasieger Robert Harting, weil dieser nach großen Siegen meist sein Trikot zerreißt. „Aber man muss an so einem Abend ja nicht päpstlicher sein als der Papst“, befand Michael Kloiber, Stadionsprecher und Stabhochsprungexperte, der den Abend im Wechsel mit Veranstalter Axel Stahl moderierte.

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Marian Reichert hätte in Sindelfingen gerne die Bestleistung seines Vaters Manfred Reichert geknackt. Der Kornwestheimer, 1986 Deutscher Hallenmeister, steht mit 5,40 Metern in den Büchern. Heute trainiert der Vater den Sohn. „Das klappt nicht immer ganz reibungslos“, sagt Marian Reichert, „weil wir dann die Probleme vom Stadion mit nach Hause nehmen.“ Weil er nun professioneller trainiere, so der 20-Jährige, sei das Verhältnis aber deutlich besser.

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Mit Leo Lohre war in Sindelfingen noch einer dabei, dem der Stabhochsprung sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Sein Vater Günther Lohre war 18-mal Deutscher Meister. Der heute 23-jährige Leo hatte lange Jahre das Gefühl, dass er nur im Schatten seines Vaters stehen würde. Der Eltinger wechselte deshalb nach Leverkusen: „Dort habe ich zu mir gefunden.“ Wegen eines Studienplatzes kam der angehende Sportökonom zurück. Sportlich hat er nun ein Ziel: „Ich will den Rekord von meinem Dad.“ Die Bestleistung von Lohre Senior steht bei 5,65 Meter. Das war damals deutscher Rekord. Lohre Junior hat bisher 5,41?Meter stehen.

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Hendrik Gruber war in Sindelfingen der Mann mit dem kürzesten Anlauf. Er nutzte nur die halbe Bahn: „Für mehr reicht die Kraft nicht.“ 5,30 Meter schaffte er dennoch. „Für einen, der mal 5,75 gesprungen ist, ist das eigentlich nur die Anfangshöhe“, gestand der Leverkusener, „aber jetzt bin ich mir endlich sicher, dass es wieder aufwärts geht.“

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Sein Vereinskamerad Marvin Caspari (ebenfalls 5,30 Meter) sah das für sich ähnlich. Das Abitur, der Auszug aus dem Elternhaus und das Studium hatten ihm ein dreijähriges Tief beschert. In Sindelfingen versuchte er sich an 5,45 Metern und scheiterte im zweiten und dritten Versuch nur ganz knapp: „So bin ich sehr zufrieden. Ich konnte das Jahr ja nur positiv beenden.“

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Der Sindelfinger Florian Gaul schwankte dagegen bei der Einschätzung seiner übersprungenen 5,20 Meter zwischen gut und schlecht. Zu künftigen Höhenflügen will der Student der Luft- und Raumfahrttechnik nicht nur mit Muskeln, sondern auch mit Köpfchen kommen: „Ich will im nächsten Jahr schlauer trainieren. Dann müssten die 5,60 Meter, die ich mit schon für dieses Jahr erhofft hatte, drin sein.“

erstellt von szbz.de (kr)