"Was macht der Diskuswerfer in der Weitsprunggrube?"
  03.07.2013 •     Pressemitteilung

Diese Frage konnte man sich als Beobachter der Baden-Württembergischen Meisterschaften am vergangenen Wochenende stellen. Die Antwort dazu gab es bereits am ersten Wettkampftag: Schließlich darf ein Zehnkämpfer nicht nur in seiner Lieblingsdisziplin eine herausragende Leistung zeigen, sondern er muss sich in allen zehn Disziplinen kontinuierlich stark präsentieren und Punkte für das Gesamtergebnis sammeln. Diese Regel galt auch für unsere drei Athleten, die  sich für ihren Wettkampf in Weingarten ehrgeizige Ziele gesetzt hatten.

Die Bedingungen waren am ersten Tag alles andere als optimal: Dauerregen, 11 Grad und Gegenwind auf der Zielgeraden ließen nicht unbedingt auf Bestleistungen hoffen. Trotz dieser Bedingungen konnte Nico Hamann gleich zu Beginn eine neue Bestleistung über die 100m aufstellen (13,15 sec). Auch im Weitsprung bestätigte er mit 5,39 m seine Leistungen und lieferte wertvolle Punkte für die "Marschtabelle" seines Vaters . So motiviert war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass auch im Kugelstoßen mit 8,73 m eine neue Bestleistung gesetzt werden konnte. Im Hochsprung (1,68m) und im abschließenden 400m-Lauf (57,26 sec) zeigte er solide Leistungen und konnte so zuversichtlich in den zweiten Tag starten. Hier begrüßte nun erstmals die Sonne die Athleten und Nico demonstrierte, dass er die Hürden technisch sauber in einer Zeit von 16,41 sec bewältigen kann. Die weiteren Leistungen im Wurf (Diskus 23,23 m; Speer 38,37 m) waren mehr als erwartet, auch im Stabhochsprung konnte er mit einer Mehrkampfleistung von 3,60m ein Zeichen setzen. Allerdings war er sich mit Manuel Retzbach einig, der bei diesem Wettkampf leider nur als Betreuer neben der Anlage stehen konnte, dass hier noch mehr zu holen ist. Abschließend lief er dann mit  4:57,34 sec über die 1500 m eine für diese Altersklasse gute Zeit. Den Wettkampf beendete er mit einer Leistung von 4.874 Punkten und man darf gespannt sein, was im kommenden zweiten Jahr in der Klasse U18 für ihn möglich sein wird.

Auch Lukas Wiesner zeigte  gleich zu Beginn, dass ihm Regen und Wind nichts ausmachen und lief mit 11,99 sec in die Nähe seiner Bestleistung.  Im anschließenden Weitsprung konnte er sich trotz Schwierigkeiten mit dem Anlauf und einigen verschenkten Zentimetern auf 5,73 m steigern. Im Kugelstoßen war er dann in seinem Element und demonstrierte, dass man die 5 kg-Kugel auf 15,16 m stoßen kann. Im Hochsprung (1,64 m)und 400 m-Lauf (55,46 sec) musste er die Konkurrenz jedoch wieder etwas ziehen lassen und beendete den 5-Kampf auf dem 5. Platz. Am zweiten Tag zahlte  sich dann das Training mit Hans Niethammer mit einer neuen Bestleistung aus (16,09 sec), obwohl er die letzten Hürden nicht optimal laufen konnte. Im Diskuswurf konnte Lukas dann wieder eine Disziplin mit der Weite von 48,53 m für sich entschieden. Im Stabhochsprung (3,40 m) und Speerwurf (44,00 m) musste er dann erkennen, dass im Zehnkampf nicht jede Disziplin optimal laufen kann, erlaubte sich aber auch keine groben Schnitzer. Vor dem abschließenden 1500 m-Lauf war dann für den Werfertypen Lukas klar, dass es fast unmöglich sein würde, im Lauf noch einen Medaillenrang zu erreichen. Dennoch kämpfte er um jede Sekunde, so dass sich das Waldlauftraining der Wiesner-Truppe zum Schluss mit einer Zeit von 5:18,18 bezahlt machte. Damit hatte er zum Abschluss 6.048 Punkte und verpasste damit nur knapp die Bronzemedaille.

Der dritte im Bunde der Sindelfinger war Christoph Ewinger, der erstmalig die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften von 6.000 Punkten erreichen und damit die Mannschaft des VfL Sindelfingen in Lage komplettieren wollte. Für diesen Wettbewerb hatten sich nämlich bereits Johannes Carl und Stefan Heinz in den letzten Wochen qualifiziert . Ausgestattet mit neuer "Kampffrisur" und einer ehrgeizigen Marschtabelle, die fast ausschließlich Bestleistungen enthielt, trat er nach seiner langen Verletzungspause hochmotiviert an. Aufgrund seiner Verletzungen hatte der Sportstudent zwar nur wenige Technikeinheiten absolvieren können, sich aber quasi als Ersatzmaßnahme einen spezifisch abgestimmten Trainingsplan verordnet.

Der Start über die 100m war bei 2,4 m/s Gegenwind kein leichter und so blieb er mit 11,85 sec leicht hinter seinen Erwartungen zurück. Dies konnte er jedoch sofort durch einen starken Weitsprung mit 6,71 m ausgleichen. Auch im Hochsprung zeigte sich, dass die Bedingungen nicht optimal waren: Höher als 1,80 m ging es diesmal nicht hinaus. Christoph nahm dies jedoch als Ansporn und lief mit 51,73 sec über die 400 m eine starke Zeit heraus. Auch im Hürdenlauf hatte Christoph nur wenige Trainingsläufe mit voller Intensität machen können und konnte sich daher mit seiner neuen Bestleistung von 16,67 sec sehr zufrieden geben. In den Wurfdisziplinen lieferte Christoph im Kugelstoßen (10,84 m) und Speerwerfen (46,43 m) Weiten um bzw. über seinen Bestleistungen ab, was wertvolle Punkte lieferte. Lediglich im Diskuswurf (29,03 m) konnte er nicht ganz mit sich zufrieden sein.  Auch im Stabhochsprung haderte er mit seiner Leistung von 3,80 m: Hier wäre nach eigener Aussage noch mehr drin gewesen. Im abschließenden 1500m-Lauf beeindruckte Christoph seine Zuschauer noch mit einer für Zehnkämpfer starken Zeit von 4:36,07 min (Gerüchten zufolge kann dies als Bewerbung für die Trainingsgruppe von Harry Olbrich verstanden werden). Am Ende standen dann 6234 Punkte und sechs persönliche Einzelbestleistungen auf dem Konto - eine unerwartet gute Leistung, die  dieses Jahr zum 4. Platz bei den Junioren reichte.