VfL-Sprinterin Eva Baur im B-Kader
  27.10.2013 •     Pressemitteilung

Gemeinsam mit vier anderen Sprinterinnen gehört die Athletin des VfL Sindelfingen nun dem B-Kader an. Für die 22-jährige Sindelfingerin etwas ganz Besonderes. Denn wer sich Eva Baurs Werdegang genauer anschaut gerät ins Staunen. Mit ihren 22 Jahren ist sie nämlich zum allerersten Mal für einen DLV-Kader nominiert, einige Talente geraten schon mit 15 Jahren in den Fokus des Leichtathletik-Verbands, in der Regel dürfen sie aber spätestens in der Jugend die Förderung genießen.

Doch Eva Baur hat schon immer den etwas anderen Weg genommen. Lange Jahre setzte sie alles auf den Mehrkampf, mit wachsendem Erfolg. Nachdem sie als Schülerin selbst landesweit keine Medaille sammeln konnte, trumpfte die Sportlerin als A-Jugendliche endlich bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften als Medaillengewinnerin auf.

Schon damals war ihr großer Traum eine Teilnahme bei internationalen Meisterschaften. Gemeinsam mit Trainer Sebastian Marcard, der sie im Jahr 2008 unter seine Fittiche genommen hatte, beschloss Baur, trotz der Mehrkampferfolge auf den Sprint mit und ohne Hürden umzusatteln. ?Eva war im Mehrkampf deutsche Spitze, ohne den Sprung zu einer internationalen Meisterschaft schaffen zu können, da hatten wir die Idee, wir probieren es mit ihrer stärksten Disziplin, erklärt Sebastian Marcard.

Und diese späte Entscheidung scheint die richtige gewesen zu sein, denn fortan war Eva Baur von Jahr zu Jahr schneller unterwegs. 2012 fiel dann die Entscheidung gegen die Hürden Evas große Stärke ist ihre Schrittlänge, Schwächen hat sie bei der Beschleunigung und dem Frequenztreten, was man besonders für den Hürdenlauf braucht, deswegen haben wir uns entschieden die Hürden einfach wegzulassen?, sagt Sebastian Marcard.

Und der Erfolg gab dem Sindelfinger Duo Recht: Eva Baur war auch von Verletzungen nicht zu stoppen und verbesserte sich stetig. Dabei profitiert sie immer noch von ihrer Zeit als Mehrkämpferin. ?Eva ist koordinativ und technisch sehr gut und hatte durch den Mehrkampf einen vielseitigen Aufbau. Dafür, dass sie erst seit zwei Jahren eine richtige Sprinterin ist, hat sie sich schnell entwickelt?, sagt Sebastian Marcard, der weiß, wie untypisch der Weg seines Schützlings ist.

Die meisten entdecken im F-Kader, also in der Schülerklasse, dass sie schnell sind. Dass heißt, sie haben jetzt schon zehn Jahre Sprinttraining in den Knochen.? Eine hohe Belastung, der nur Wenige standhalten: ?Das wird psychisch langweilig und stupide und weil der Körper neue Reize braucht, um schneller zu werden, steigert man das Krafttraining, ist irgendwann frustriert und dann verletzt.?

Anders Eva Baur: Lange Jahre hatte die Leichtathletin Mühe mit den Altersgenossinnen mitzuhalten, mit einem langsamen aber stetigen koordinativen und körperlichen Aufbau, viele Jahre über die ganze Palette leichtathletischer Disziplinen, wurde die heute 22-Jährige dann immer stärker. ?Eva hat stets für den Erfolg arbeiten müssen, sie hat nie groß Geschenke oder die Unterstützung des DLV bekommen?. Und auch im Training gibt es noch viele Möglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft wurden. ?Tempoläufe haben wir fast noch nie gemacht, auch Zugwiderstandsläufe sind für Eva neu?, sagt Marcard, der seine Athletin längst nicht am Leistungslimit sieht.

Dennoch ist der Sindelfinger Trainer Jahr für Jahr aufs Neue überrascht von den Fähigkeiten seiner Athletin. ?Sie hat Geduld und die Fähigkeit Leistung zu bringen, wenn es gilt. Außerdem diese seltene Lockerheit sich schnell zu bewegen. In der Regel ist mit 17 die eigentliche Talententwicklung beendet, wenn alle sich jetzt noch so schnell weiterentwickeln würden wie Eva, würde es viele Verena Sailers geben?, sagt Marcard und freut sich über den Rohdiamant Eva Baur. ?Ich habe sie Jahr für Jahr weiter geschliffen und dabei auch selber viel gelernt.?

Und auch in der nächsten Saison will Eva Baur noch schneller unterwegs sein. Die B-Kader-Athletin darf sich auf Lehrgänge und Trainingslager mit den DLV-Sprinterinnen freuen und hat die Möglichkeit sich des Öfteren mit der direkten nationalen Konkurrenz zu messen. ?Entscheidend ist, dass Eva den Respekt vor den großen Namen ablegt. Sie hat jetzt den selben Status wie alle anderen?, sagt der VfL-Trainer, der sich erhofft von seinen Kollegen auch fachlich zu profitieren.

Dabei peilt das Sindelfinger Duo keine spezielle Zeit an, die Eva Baur unbedingt unterbieten muss. Vielmehr ist ein Leichtathletik-Großereignis in den Fokus gerückt: die Europameisterschaften in Zürich. Schließlich liegt für Eva Baur ein Staffelplatz bei den deutschen Frauen nun in Reichweite.

Ihre Entscheidung vom Mehrkampf auf die Sprint-Disziplinen zu wechseln hat sich ausgezahlt: die Sindelfingerin Eva Baur.