Über 1000 Kilometer bis nach Ulm
  18.10.2014 •     Pressemitteilung

42,195 Kilometer weit muss man laufen, um einen Marathon zu überstehen. Katharina Becker hat das in Ulm gepackt. Die Leichtathletin des VfL Sindelfingen absolvierte ihren ersten Marathon mit großem Erfolg. Ein noch größerer Erfolg ist, dass es die 27-Jährige überhaupt geschafft hat, das Ziel in diesem Jahr anzugreifen.

Hinter einem schnellen Lauf über die gut 42 Kilometer lange Distanz steckt viel, lange Trainingseinheiten und Kilometer über Kilometer weite Trainingsläufe. Deutlich mehr als 1000 Kilometer ist sie auf ihrem Weg zum Einstein-Marathon nach Ulm gelaufen. Und das in gut zwei Monaten – eine äußerst holprige Vorbereitung.

Schon im Winter hatte sie die Weichen auf Marathon gestellt. Lange Läufe standen auf dem Trainingsplan, bis zu dreißig Kilometer legte die Sindelfingerin pro Einheit zurück. Mit großer Motivation startete sie in ein Wintertrainingslager, zurück kam sie mit einem Ermüdungsbruch im Kreuzbein. Eine schlimme Diagnose für die Leichtathletin. Die Rückenverletzung machte das Lauftraining lange unmöglich. „Ich habe überlegt, ob ich doch ganz aufhören soll.“

Aber das Thema war einfach noch nicht abgehakt. Sie machte weiter und ackerte für ein schnelles Comeback. Bis zu vier Stunden pro Tag machte sie sich daran, mit alternativem Training ihre Ausdauer zu erhalten. Schwimmen und Radfahren zeigten Wirkung, kurz vor dem Ostertrainingslager war Becker bereit für erste Einheiten mit Boden unter den Laufschuhen. „Bevor wir nach Italien gereist sind, war ich ein Mal joggen und dann ging es wieder richtig los.“

Endlich war die Verletzung überstanden, langsam stiegen die Umfänge. Bis zu zweihundert Kilometer absolvierte Becker pro Woche, doch gerade bei den anspruchsvollen langen Läufen um die dreißig Kilometer war sie nicht alleine. „Ich hatte öfters eine Radbegleitung, da ist die Zeit wie im Flug vergangen.“ Eine wichtige Rolle auf dem Weg zum ersten Marathon-Finish der 27-Jährigen hatte auch ein alter Marathon-Hase. Schon 13 Wettkämpfe über die längste olympische Laufdisziplin in der Leichtathletik überstand der 54-Jährige, ehe er sich neue Herausforderungen über längere oder bergigere Strecken suchte. Die beiden lernten sich beim Schönbuch-Cup kennen, öfters absolvierte man den einen oder anderen Wettkampf Seite an Seite.

Als Werner Hasler von den Marathonambitionen Katharina Beckers erfuhr, war er Feuer und Flamme. „Es hat mich gereizt, ein Debüt zu betreuen und einen solchen Lauf von einer ganz anderen Perspektive aus zu erleben“, sagt Hasler. Bald wurde gemeinsam gelaufen, die Trainingspläne aufeinander abgestimmt. Gerade für Tempoeinheiten verabredete man sich und spornte sich gegenseitig an.

Die guten Trainingsbedingungen waren es, die Katharina Becker zu Höchstleistungen antrieben. „Die langen Einheiten habe ich gut rumgekriegt, eigentlich hatte ich in der kompletten Vorbereitung keine Probleme mehr“, sagt Becker und verrät ihren besten Trick. „Wenn ich mal total unmotiviert war, habe ich mir vor dem Training Tiramisu gemacht und nichts davon gegessen. Aus Vorfreude habe ich dann selbst nach 30 Kilometern noch die Motivation gehabt, schnell nach Hause zu rennen.“ Nur einen kurzen Moment des Zweifelns gab es in der Vorbereitung auf die 42,195 Kilometer weite Distanz: „Ich bin wenige Wochen vor dem Marathon umgeknickt und musste drei Tage pausieren, da war ich in Sorge, ob das jetzt noch reicht.“

Heute weiß sie: Es hat gereicht. Ende September fiel der Startschuss in Ulm. An ihrer Seite Werner Hasler, gemeinsam wollte man die Distanz hinter sich bringen. „Mir war es wichtig, dass ich bei meinem ersten Marathon nicht alleine laufen muss. Mit Werner war es super, er kennt mich, weiß, wie ich ticke und wann er mich bremsen oder antreiben muss“, sagt Katharina Becker.

Die ersten 15 Kilometer vergingen wie im Flug: Gestartet wurde an der Messehalle, auf leicht abfälliger Strecke näherte man sich dem Stadtzentrum. „In der Stadt war dann alles voller Menschen und plötzlich kam der Mann mit dem Hammer“, erzählt Becker. „Ich hatte das Gefühl am Limit zu laufen, mental bin ich eingebrochen und habe mir überlegt, auszusteigen.“ Nach wenigen Kilometern in einem etwas langsameren Tempo konnte die 27-Jährige aber wieder durchstarten. Zur Halbzeit zeigte die Uhr 1:24:30 Stunden, die nächsten Kilometer waren die im Schnitt schnellsten. In weniger als vier Minuten spulte Becker Kilometer um Kilometer ab, ihr Ziel stets vor Augen: Die Sindelfingerin wollte den Marathon in Ulm gewinnen, nach siebzehn Kilometern war sie aber von Giovanna Ricotta überholt worden. „Bis Kilometer 33 habe ich sie gesehen.“

Nach zwei Stunden, dreiundfünfzig Minuten und sieben Sekunden war Katharina Becker endlich im Ziel. Erschöpft, aber stolz. „Das war sehr gut für ihren ersten Marathon. Die Strecke in Ulm war schwierig und auf einer anderen Strecke ist noch einmal deutlich mehr drin“, sagt Trainer Harald Olbrich. Auch Katharina Becker brennt nach ihrem „härtesten Rennen überhaupt“ schon auf neue Herausforderungen. Für das Frühjahr des nächsten Jahres plant sie ihren zweiten Marathon. „Ich habe dazugelernt und erkannt: Weniger ist manchmal mehr“, sagt Becker. 2015 will die Athletin die 2:50-Stunden-Marke unterbieten. Katharina Becker hat das Marathon-Fieber gepackt.

erstellt von szbz.de (Sd)