Tobias Dahm überzeugt bei der Hallen-WM
  21.03.2016 •     Pressemitteilung

Leichtathletik: Der Kugelstoßer des VfL Sindelfingen behält in Portland in den USA die Nerven, schafft es bis in den Endkampf und wird mit 20,22 Metern Achter

Tobias Dahm feierte in der Nacht auf Samstag den größten Erfolg seiner Karriere. Der Kugelstoßer des VfL Sindelfingen schaffte es bei den Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathleten in Portland im US-Bundesstaat Oregon sogar bis in den Endkampf. Der Zwei-Meter-Mann der Blau-Weißen überzeugte bei seinem zweiten Auftritt im Nationaltrikot. Und trotz seiner Top-Leistung, ganz zufrieden war Tobias Dahm nicht mit den Bedingungen vor Ort und seinem Ergebnis.

Alles begann bei einem Kugelstoßmeeting im Februar. Tobias Dahm, der endlich die 20-Meter-Marke übertrumpfen wollte, nach- dem er in den letzten Jahren wieder und wieder gescheitert war, gelang der Befreiungsschlag. Es hatte sich schon in den vorherigen Wettkämpfen angekündigt, dass Dahm ganz nah dran war sein großes Ziel zu erreichen. In Rochlitz wurden 19,99 Meter gemessen, ein verflixter Zentimeter an der großen Zwanzig vorbei.

Beim Kugelstoßmeeting in Sassnitz hatte der Fluch dann ein Ende. Gleich mehrmals durchbrach Tobias Dahm seine persönliche Schallmauer und das mehr als deutlich. Der weiteste Stoß wurde mit 20,56 Metern gemessen. Seine Bestleistung steigerte der 28-Jährige um mehr als einen halben Meter. Vor allem aber knackte Tobias Dahm die Norm für die Hallen-Weltmeisterschaften. Ein Ziel, das der Sportler so gar nicht auf dem Zettel hatte.

Am Freitag um 18.45 Uhr Ortszeit trat der Sindelfinger in den Kugelstoßring. Wer seinen Auftritt in Deutschland verfolgen wollte, musste sich um kurz vor drei Uhr nachts vor den Fernseher setzen. Im hochklassigen Kugelstoß-Feld befanden sich gleich acht Athleten, die eine Bestweite jenseits der 21-Meter-Marke aufzuweisen hatten. Mittendrin Tobias Dahm, erst seit gut einem Monat in der Szene zum „richtigen Kugelstoßer“ und 20-Meter-Stoßer geadelt.

Auch deswegen war Dahm vor seinem Auftritt mächtig nervös. In Versuch eins ging noch nichts so recht zusammen. 19,40 Meter. Zu wenig, um im Top-Feld bestehen zu können. Im zweiten Durchgang dann zeigte Tobias Dahm, dass er sich zu Recht im hochklassigen Kugelstoßer-Feld befindet. Die schwere 7,26-Kilogramm-Kugel flog und flog und landete erst jenseits der 20-Meter-Marke. Dahm jubelte mächtig, dieser Stoß war ihm gelungen. Gemessen wurden starke 20,22 Meter. Eine Weite, die zeigt: Der Sportler der Blau-Weißen behält auch bei großen Wettkämpfen die Nerven und kann sein Leistungspotential abrufen.

Auch einem anderen gelang im zweiten Durchgang ein ganz weiter Stoß. Der Neuseeländer Tomas Walsh lies die Kugel auf 21,60 Meter fliegen und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Mit seinem ersten 20-Meter-Stoß auf internationalem Parkett schaffte es Tobias Dahm sogar in den Endkampf der besten acht Stoßer. Auch wenn Dahm in seinen verbleibenden Versuchen nicht mehr über seine Tagesbestweite hinauskam, den achten Platz bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften konnte ihm keiner mehr nehmen. Ärgerlich aber ist, dass auf die Plätze sieben und sechs nur ein, beziehungsweise zwei Zentimeter fehlen.

Gold gewann der Neuseeländer Tomas Walsh, der sich im sechsten Versuch auf 21,78 Meter steigerte. Dahinter wurden die Medaillen an den Rumänen Andrei Gag und Filip Mihaljevic aus Kroatien vergeben. Etliche starke Athleten ließ Tobias Dahm aber auch hinter sich. „Der Wettkampf war nicht sehr einfach. Das hat man auch daran gesehen, dass etliche 21-Meter-Stoßer bereits im Vorkampf rausgeflogen sind. Ich selbst war sehr nervös“, gesteht Dahm nach seinen ersten Weltmeisterschaften.

Auch wenn der Athlet des VfL Sindelfingen mit seiner Leistung voll und ganz zufrieden sein darf, er hat sich immerhin in die Top Acht der Welt gestoßen und erneut beweisen, dass die Zwanzig-Meter-Marke kein Hindernis mehr darstellt, ein wenig hadert der 28-Jährige doch. „Die Stimmung war o.k, nicht überragend. Was mich viel mehr gestört hat war, dass der Ring im Prinzip sehr rutschig war und ich vorne links immer gerutscht bin“, sagt Dahm. Durch den rutschigen Ring hatte Dahm Probleme, sein Stemmbein zu setzen, der Druck auf die Kugel fehlte. Nur in Versuch zwei klappte das Durchdrücken des Stoßes. „Die Stöße waren nicht so besonders, nur der über 20,22 Meter hat sich ganz gut angefühlt“, so Dahm. Er weiß aber auch: „Wenn mir vorher einer gesagt hätte, dass ich Achter werde hätte ich es nie geglaubt.“

Der Sindelfinger Kugelstoßer Tobias Dahm im Trikot der deutschen Nationalmannschaft beim Endkampf in Portland. Bild: John G. Mabanglo / picture alliance / dpa

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