Sprinter Sanneh nach Holland abgeschoben
  08.04.2015 •     Pressemitteilung

Erst vor wenigen Tagen berichteten wir über den gambischen Sprinter Wandifa Sanneh, der bis dienstagfrüh in Balingen als Asylbewerber lebte. Jetzt wurde Sanneh in die Niederlande abgeschoben.

Wandifa Sanneh war in seinem Heimatland Gambia ein bekannter 400-Meter-Läufer und nahm an Wettkämpfen teil. Seit vergangenem Jahr lebte der Asylbewerber in Balingen in der Gemeinschaftsunterkunft in der Beckstraße. Deutschland war jedoch nicht das Ankunftsland des Sprinters in Europa gewesen. Das Dubliner Übereinkommen schreibt aber vor, dass das europäische Land, dessen Boden der Asylsuchende zuerst betrat, allein für ihn zuständig ist.

In Wandifa Sannehs Falls scheint dies die Niederlande zu sein. Deshalb wurde er Dienstagnacht um 4 Uhr abgeholt und in das Nachbarland abgeschoben, wie uns seitens des Asylbewerberkreises bestätigt wurde. Dass das so kommen würde, war dem jungen Gambier vermutlich bereits bewusst. Schon im Februar hatte ihn die Polizei nachts mitnehmen wollen, doch zufälligerweise hatte er damals nicht in seinem Zimmer geschlafen.

Zweimal die Woche trainierte Sanneh im Balinger Au-Stadion. Außerdem wurde er erst kürzlich in das Sprinterteam des VfL Sindelfingen aufgenommen. Sein Sindelfinger Trainer, Sebastian Marcard, war begeistert von den sportlichen Leistungen des Westafrikaners und versuchte alles, die befürchtete Abschiebung zu verhindern. Neben dem Training ging Sanneh täglich zur Schule, spricht gut Englisch und ist gerade dabei, Deutsch zu lernen. Seine komplette Familie ließ er ihn in Gambia zurück. Sein Sport gab ihm Ausgleich, Halt und Selbstwertgefühl.

Wandifa Sanneh schien in Balingen gut integriert zu sein. Doch die Abschiebung schwebte wie ein Damoklesschwert über den Zukunftsplanungen des 19-Jährigen. Erst am Ostermontag hatte der junge Sportler ein Praktikum in der Jugendherberge Lochen begonnen. In einer E-Mail soll er noch geschrieben haben, wie sein Arbeitstag verlief und dass es ihm gut gefalle. Um 4 Uhr morgens stand dann die Polizei vor der Tür und nahm ihn mit.

erstellt von ZOLLER-ALB-KURIER