Sport-Kommentar: Knüppel zwischen die Beine
  11.04.2015 •     Pressemitteilung

Asyl: Im Fall Wandifa Sanneh wird jede Willkommenskultur mit Füßen getreten. In kurzen Worten: Der 19-jährige Sprinter aus Gambia musste sein Land verlassen und fand über Umwege in Europa wieder ein kleines Stück vom Glück. Beim VfL Sindelfingen nahmen ihn die Leichtathleten mit offenen Armen auf und wurden viel mehr als nur Trainingskollegen.

Sie besorgten ihm Schuhe und Klamotten, holten ihn dreimal die Woche am Tübinger Bahnhof ab, fuhren ihn ins Training und wieder zurück. In der Integrationsklasse galt er als Musterschüler, der Deutschunterricht flutschte. Einen Ausbildungsplatz hatte er so gut wie in der Tasche, die Zeit bis zur Lehre überbrückte er als Praktikant in der Jugendherberge.

Eigentlich taugt Wandifa Sanneh als Musterbeispiel für gelungene Integration, und der Sport nimmt dabei die Paraderolle ein. Das blau-weiße VfL-Trikot verbindet. So sehr, dass Abteilungsleiter Markus Graßmann sagt: "Er ist einer von uns." Und dann kam die Polizei.


Über Wandifa Sannehs Zukunft ist noch nicht entschieden, in Holland hat er am Mittwoch Asylantrag gestellt. Aber klar ist: In Deutschland darf er nicht bleiben, weil es nicht sein Ankunftsland in Europa war. Das Bürokratiemonster kennt keine Gnade und haut der Vernunft die Beine weg. Das schmerzt schon, wenn man nur an die Worte "Einzelfälle" und "individuell entscheiden" denkt. Denn zum Einzelfall Wandifa Sanneh gibt es ein hervorragendes Zeugnis seiner Lehrerin, Empfehlungsschreiben der Bundestrainer und Fürbitten seiner Sindelfinger Vereinskollegen. Es ist offensichtlich, dass die Integration hier über den Sport im Allgemeinen und über den VfL Sindelfingen im Speziellen sehr gut anläuft. Doch weil es rechtlich so gewollt ist, werden diesem Prozess Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das soll verstehen, wer will.

erstellt von szbz.de