Sindelfinger Sprinter auf Überholspur
  07.08.2013 •     Pressemitteilung

Und auch wenn der Gewinn der Silbermedaille selbst für Johannes Wiesner unerwartet kam, mit einer Medaille hatte er vor seinem Start in Rostock geliebäugelt. Als gutes Omen dienten schon die letzten Tempoläufe des Sprinters im Floschenstadion. ?Die liefen richtig gut?, so Wiesner.

Noch mehr Auftrieb gab die Tatsache, dass der schnellste Jugendliche, der Kölner Robert Polkowski auf einen Start verzichten würde. ?Da habe ich dann gedacht, dass eine Medaille für mich in Reichweite ist, auch wenn die anderen stark drauf sind.? Am Freitag war es dann so weit. Am ersten Tag der deutschen Jugendmeisterschaften hatte Johannes Wiesner seinen großen Auftritt. Der Überraschungs-Vierte des Vorjahres zeigte einen guten Vorlauf, auch im Zwischenlauf sprintete er als Erster über die Ziellinie. ?Nach den beiden Vorläufen habe ich gedacht, da ist heute mehr drin, ich war komplett locker und habe gemerkt, dass ich richtig gut drauf bin?, sagt der Athlet des VfL Sindelfingen.

Als dann am späten Nachmittag das 100-Meter-Finale stattfand, war Johannes Wiesner hellwach, zumindest nach seinem durchwachsenen Start. Auch ein Wadenkrampf auf den letzten Metern hinderte den 19-Jährigen nicht daran, alles zu geben und sich mit letzter Kraft ins Ziel zu schmeißen.

Doch dann war lange unklar, auf welchen Platz es für den Sindelfinger gereicht hatte. Zwar wurde der Finalsieger verkündet, doch die Athleten, die sich dahinter ein knappes Rennen geliefert hatten, blieben ratlos. ?Sie haben uns lange warten lassen. Ich wusste, dass die Plätze zwei bis vier eng zusammen waren, aber es wurde nichts durchgesagt.? Schließlich war es Trainingskamerad Deniz Almas, der Wiesner erlöste. ?Er hatte die Ergebnisse auf seinem Handy und hat mir gezeigt, dass ich Zweiter bin. Am Anfang konnte ich das gar nicht so realisieren.?

Ein großer Erfolg für Johannes Wiesner, der in seinem letzten Jahr in der Jugendklasse seine erste Medaille bei deutschen Meisterschaften holte. Und eine gewisse Genugtuung war auch dabei, als sich Vizemeister Wiesner gemeinsam mit dem neuen deutschen Meister Niklas Nolte (Erfurter LAC) ablichten ließ. Denn beide Sprinter mussten in der laufenden Saison schon einen großen Rückschlag verdauen.

In der engeren Auswahl des deutschen Leichtathletikverbandes war das angestrebte Saisonziel eine Teilnahme bei den Europameisterschaften der Jugendlichen in Rieti. Johannes Wiesner absolvierte mehrere Qualifikationswettkämpfe, an die geforderte Qualifikationsnorm für einen Einzelstart kam er zwar nicht heran, einen Staffelplatz hatte der 19-Jährige aber trotzdem in Aussicht. Und so nahm der Sindelfinger vor dem Entscheidungswettkampf, der Junioren-Gala in Mannheim, auch an einem letzten Staffellehrgang des deutschen Leichtathletikverbandes teil.

In Mannheim hatte Johannes Wiesner gleich an beiden Tagen seinen Einsatz in der DLV-Staffel und zeigte jeweils ein starkes Rennen. Doch es sollte nicht reichen. Der Bundestrainer nahm sechs andere Athleten mit nach Rieti und erteilte Wiesner für die Jugend-EM eine Absage, die schwer im Magen lag. ?Direkt nachdem klar war, dass ich nicht mit zur EM genommen werde, war meine Motivation im Keller, ich musste sie langsam wieder aufbauen und irgendwann habe ich Rieti abgehakt und die Absage ist für mich ein Ansporn geworden?, so Johannes Wiesner.

Einen Ansporn, den er mit Niklas Nolte teilt. ?Wir haben vor den Meisterschaften gesagt: Denen zeigen wir, dass sie verpasst haben uns mitzunehmen, wir machen die deutschen Meisterschaften unter uns aus?, und der Plan der beiden schnellen Athleten fand in Rostock prompt seine Umsetzung.

Nun steht für den 19-Jährigen aber erst mal Regeneration auf dem Plan. ?Bei den deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaften mache ich Kugelstoßen und Weitsprung, dann habe ich zwei Wochen komplett Pause, ich brauche mal ein bisschen Abstand vom Stadion?, gibt Johannes Wiesner zu. Schließlich will er in seinem ersten Jahr bei den Junioren durchstarten und das verletzungsfrei. Denn mit seiner Zeit in der Jugendklasse hat Johannes Wiesner nach dem Gewinn der Silbermedaille als krönendes Ende gedanklich abgeschlossen. ?Das war ein toller Abschluss. Mein letztes Jahr in der Jugend hätte nicht besser sein können.?