Simon Bayer hat die 18 Meter fest im Blick
  07.03.2015 •     Pressemitteilung

Leichtathletik: Der Sindelfinger Kugelstoßer will sich von den Widrigkeiten, die der Wechsel von der Jugend- zur Juniorenklasse mit sich bringt, nicht aufhalten lassen

Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen, um sich im Sport weiter steigern zu können. Und an einem entscheidenden Punkt stehen in jedem Jahr viele Athleten. Sie haben ihren Schulabschluss in der Hand und müssen nun über die berufliche und sportliche Zukunft entscheiden. Denn viele Studiengänge oder Ausbildungsberufe sind nur schwer mit dem Sport vereinbar, von dem man später aber auch nicht leben kann.

Hinzu kommt: Nach dem Abitur rutschen viele Athleten gerade in die Juniorenklasse. Bei den Leichtathleten drei schwere Jahre. Es gibt nur wenige Juniorenwettkämpfe, in der Hallensaison gar keine, in allen Wettkämpfen muss man sich mit den Aktiven messen, eine mächtige Konkurrenz. Da bleibt die Motivation bei vielen schon mal auf der Strecke.

Auch Simon Bayer stand im letzten Sommer an solch einem Punkt. Der Kugelstoßer des VfL Sindelfingen hatte da gerade sein Abitur abgeschlossen und trumpfte, nachdem in der freien Zeit danach viel Training möglich war, in seiner Paradedisziplin auf. Er hatte die Jugend-Weltmeisterschaften in Eugene zum Ziel und war nahe dran ?es auch zu erreichen. Die Qualifikationsnorm schaffte er mit Bravour.

Zwar waren zwei Deutsche besser, Bayer belegte Platz drei der deutschen Jugend-Bestenliste und nur die zwei Besten sollten nach Eugene reisen, der Entscheidungswettkampf in Mannheim stand aber noch aus. Hier überzeugte der Sindelfinger und erfuhr später die erste große Niederlage seiner noch jungen Kugelstoß-Karriere, der deutsche Leichtathletikverband ließ ihn als Reserveathlet zu Hause (die SZ/BZ berichtete). Keine leichte Zeit für Bayer. Der damals 18-Jährige fühlte sich nicht gerecht behandelt, blieb aber ein Sportsmann und bewies nur wenig später auch mit der Männerkugel sein Können. Und so fiel auch das Fazit der vergangenen Saison positiv aus. „Ich hatte letztes Jahr eine traumhafte Saison, die mich sowohl sportlich als auch privat sehr weit gebracht hat. Ich bin jetzt in der Nationalmannschaft angekommen und es wäre mir eine Ehre, wenn es in den nächsten Jahren mit dem internationalen Start klappen würde“, sagt der Kugelstoßer.

Nun ist Simon Bayer von der Jugend in die Juniorenklasse gerückt. Das bedeutet zum einen eine deutlich schwerere Kugel. Statt sechs Kilogramm sind es nun 7,26 Kilogramm, zum anderen eine deutlich gewachsene Konkurrenz. Hinzu kommt: Der Kugelstoßer hat in den letzten Monaten sein Leben komplett umgeworfen. Nach einigen Jahren im Internat wohnt Bayer nun gemeinsam mit zwei weiteren Vereinskameraden in einer Stuttgarter Wohngemeinschaft.

Auf Schule folgte für ihn außerdem nun eine Ausbildung. Und die ist mehr als zeitintensiv. 40 Wochenstunden verbringt der 19-Jährige bei der Arbeit. Er ist in der IT-Abteilung des Logistikdienstleisters Rhenus beschäftigt. Seit September hat der Sportler dort seine Ausbildung zum Fachinformatiker angefangen. Danach soll ein Studium folgen.

Diese Belastung passt nur schwer mit den täglichen Trainingseinheiten zusammen. „Freizeit bleibt mir eigentlich keine. Doch so hart das erscheinen mag, mir macht auch alles einen riesigen Spaß, vor allem meine Arbeit ist dank toller Kollegen eine Motivation nicht einfach aufzugeben“, sagt Bayer.

Nach einer erfolgreichen Hallensaison befindet er sich gerade wieder im vollen Training und legt eine intensive Aufbauphase für den Sommer hin. Arbeiten will der 19-Jährige vor allem an technischen Feinheiten, Motivation und Konzentration. „Mit dem Leistungssport aufzuhören, kam für mich nie infrage. Ich habe tolle Trainer, Freunde und Familie, die mich auch in harten Zeiten unterstützen und motivieren.“ Trotzdem hofft der Top-Athlet auf Unterstützung seines Arbeitgebers, schließlich wird gerade im Frühjahr und Sommer die Belastung weiter zunehmen, wenn Trainingslager und hochkarätige Wettkämpfe mit langem Anreiseweg bevorstehen.

Denn das Ziel für die kommende Sommersaison steht für Simon Bayer schon fest: Er will bei den anstehenden Wettkämpfen gut abschneiden. Die 18-Meter-Marke hat er fest im Blick, bei den deutschen Meisterschaften der Junioren soll eine Medaille her.

erstellt von szbz.de