„Olympia ist und bleibt ein Traum“
  18.02.2016 •     Pressemitteilung

Das Sportgespräch: Trotz seines Rekordstoßes auf 20,56 Meter macht sich der Sindelfinger Tobias Dahm kaum Hoffnung auf einen Start in Rio

Er hat sich seinen großen Traum erfüllt: Tobias Dahm vom VfL Sindelfingen hat am Sonntag die 20-Meter-Marke geknackt und damit die Schallmauer in Kugelstoßer-Kreisen durchbrochen. Obendrauf gab es, quasi als Zugabe, die Erfüllung der Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Portland.

Die SZ/BZ hat mit dem Kugelstoßer aus Ostelsheim über seinen erfolgreichen Wettkampf auf Rügen und die weitere Saisonplanung gesprochen.

Tobias Dahm, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer starken Leistung und dem Stoß auf 20,56 Meter beim Kugelstoß-Meeting in Sassnitz. Wie haben Sie Ihren Wettkampf erlebt?

Tobias Dahm: „Beim Einstoßen hat alles schon ganz gut angefangen. Ich habe technisch sauber und weit gestoßen. Das war aber auch bei den letzten Wettkämpfen immer der Fall. Ich habe das gute Einstoßen aber nie in den Wettkampf retten können. Am Sonntag habe ich gedacht: Jetzt fängt das schon wieder an.“

Es kam aber alles anders: Schon im ersten Versuch haben Sie die 20-Meter-Marke geknackt. Die Kugel ist bei 20,46 Metern eingeschlagen.

Tobias Dahm: „Ich habe mich gleich nach dem Stoß schon ziemlich gefreut, die Kugel ist ja deutlich über die 20-Meter-Linie geflogen. Ich war mir aber dann unsicher. Nicht das es wieder 19,99 Meter sind. Als der Kampfrichter dann die Weite gemessen hat, war ich richtig erleichtert, dass ich es endlich geschafft habe.“

Sie haben schon vor gut zweieinhalb Jahren zum ersten Mal nahe an die 20 Meter herangestoßen, seitdem warten Sie auf diesen Stoß. Wie sind Sie damit umgegangen?

Tobias Dahm: „Das war tatsächlich eine ziemliche Belastung für mich. Ständig hat jemand gefragt, wann ich denn endlich die 20 Meter stoße und dann waren es am letzten Wochenende in Rochlitz tatsächlich 19,99 Meter. Mir war aber immer klar, wenn ich es endlich schaffe, stoße ich deutlich über die Marke. Dass es gleich so weit wird, hätte ich nie im Leben gedacht.“

Nach Ihrem ersten Versuch haben Sie im zweiten Durchgang mit einem Stoß auf 20,56 die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im März in Portland überboten, im dritten Versuch waren es noch einmal 20,35 Meter. Was ist dann passiert?

Tobias Dahm: „Im vierten Durchgang wollte ich voll auf die Kugel gehen. Dabei bin ich leider am Balken hängen geblieben und habe leichte Kapselschmerzen im Knie bekommen. Deswegen habe ich als Vorsichtsmaßnahme den Wettkampf abgebrochen. Es ist aber nichts Ernstes passiert. Die drei Stöße über die 20 Meter zeigen aber: Das war kein Ausrutscher, ich konnte meine Leistung mehrfach bestätigen.“

Meine Trainingsplanung sieht Portland nicht vor

Nun haben Sie die WM-Norm in der Tasche, die deutschen Hallenmeisterschaften stehen vor der Tür. Wie geht die Saison für Sie weiter?

Tobias Dahm: „Ich hatte am kommenden Wochenende einen Start in Bukarest eingeplant. Das haben wir aber vor meinem Wettkampf in Sassnitz beschlossen. Ich habe mich inzwischen entschieden dort auch zu starten. Dann kommen die deutschen Meisterschaften in Leipzig. Ob ich an den Weltmeisterschaften teilnehme, kann ich noch nicht sagen. Ich hatte die 20,50 Meter erst für die Sommersaison im Visier. Meine Trainingsplanung sieht Portland nicht vor, aber ich muss das alles erst einmal sacken lassen, dann sieht man weiter.“

Bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig gelten Sie nach Ihrer Leistung nun als Favorit. David Storl lässt die Hallensaison aus, Sie sind zurzeit der beste Kugelstoßer Deutschlands. Was ist in der Sachsenmetropole für Sie drin?

Tobias Dahm: „Ich mache mir da keinen Kopf. Viele sagen mir, dass ich nun der Favorit bin, aber die deutschen Meisterschaften sind wie ein Pokalfinale. Am Tag X wird alles neu entschieden. Da muss ich topfit sein und meine Leistung auf den Punkt bringen.“

Nach dem Wettkampf in Sassnitz wissen Sie, dass Sie die Norm für die Olympischen Spiele, die 20,50 Meter beträgt, stoßen können. Ist Rio de Janeiro damit ein Stück näher gekommen?

Tobias Dahm: „Ich muss die Weite erst einmal draußen stoßen, um eine Chance auf ein Olympia-Ticket zu haben. Nun hat man gesehen, dass es machbar ist. Aber wenn ich die Weite im Sommer nicht bringe, bringt das alles nichts. Ich habe kein anderes Gefühl, Olympia ist und bleibt ein Traum.“

erstellt von szbz.de