Leichtathletik feiert Jahresabschluss
  04.12.2016 •     Pressemitteilung

Erfreulicher Weise war der diesjährige Abschlussabend er Sindelfingen Leichtathletik sehr gut besucht. Die Jugendlichen der Trainingsgruppen waren überaus präsent und feierten im Hotel Mercure an der Messe mit der Leichtathletik Familie.

Bei der Begrüßung durch den Abteilungsleiter Markus Graßmann wurde klar, dass gerade das Jahr 2016 das erfolgreichste Leichtathletik-Jahr der Abteilung war. Mit den erfolgreichen Olympiateilnahmen von Nadine Hildebrand über 100m Hürden und Tobias Dahm im Kugelstoßen und abschließend noch der Goldmedaille durch „Bonsai“ Niko Kappel überstrahlten diese Ereignisse die ansonsten ebenfalls sehr erfolgreich verlaufende Saison.

Werner Spät präsentierte in einer Videoinstallation die „Besten“ gefolgt von einer sehr umfangreichen Ehrungsrunde der Athletinnen und Athleten. Viele waren anwesend und freuten sich über die Anerkennung ihre Leistungen von großem Publikum. Von den Jugendlichen über die Aktiven bis hin zu den nicht minder erfolgreichen Seniorinnen und Senioren. Mit Peter Esenwein und Reinhard Michelchen gar zwei Weltmeistern in ihren Altersklassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Jahresbilanz ist immer auch Anlass zu Abschieden. So verlassen uns Sabine und Bernhard Grißmer. Aus familiären Gründen übersiedeln sie in die Pfalz. Wir werden ihr Engagement und ihre Mitarbeit sehr vermissen.

Ein andere hat nun das gefunden, was er schon seit vielen Jahren sucht: einen Studienplatz der Medizin. Patrick Oehler hat in Sindelfingen eine überaus erfolgreiche Zeit hinter sich gebracht. Mit vielen guten Meisterschaftsplatzierungen und hervorragenden Zeiten in der Mittelstrecke beendet er seine lange Athletenlaufbahn. In der Laudation von Mentor Harald Olbrich wurde insbesondere die schier unbeugsame Lust auf das Staffellaufen hervorgehoben. Selbst wenn Patrick gerade nach einem anstrengenden 800m Lauf gerade noch Luft bekommen hat, stand er wenige Minuten später mit dem Staffelholz wieder auf der Bahn. Ein stets zuverlässiger und einsatzwilliger Athlet. Patrick bedankte sich bei Harry O. und seinen Trainingskameraden – derentwegen er die vielen Jahre durchgehalten hat und die immer für gute Stimmung, Spaß und Motivation gesorgt haben. Seine Trainingskollegen ließen es sich natürlich nicht nehmen, ihr Vorbild kräftig aufs Korn zu nehmen, in dem sie in einem Video die „Geheimnisse des Erfolges von Oehler“ aufzeigten.

Einen weiteren Abschied von gewohntem muss verkraftet werden: die Familie Sabine und Bernhard Grißmer haben sich familiär bedingt in die Westpfalz verändert und werden künftig den Sindelfingern nicht mehr als Mitarbeiter, Helfer, Sportler und Berater zur Verfügung stehen. Im Namen aller Sindelfinger Leichtathleten wurde den Grißmers die besten Wünsche mit auf den weiteren Weg mitgegeben.

Es war ein Herzenswunsch von Markus Graßmann, einen Mann zu ehren, dem in der Vergangenheit viel Unrecht widerfahren ist. In einem launigen Interview mit dem Trainer von Arthur Hoppe, Simon Bayer und früher Martin Gratzer aus Wien, informiert Graßmann über das Leben und die Tragik von Rolf Oesterreich. Man muss in die 70er Jahre zurückgehen und dabei berücksichtigen, dass das Maß aller Leichtathletik-Dinge damals die DDR war. Hier ein Auszug aus dem entsprechenden Artikel aus wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Oesterreich_(Leichtathlet))

 


(https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Oesterreich_(Leichtathlet))

Der vertuschte Weltrekord

Am 12. September 1976, einen Monat nach den Olympischen Spielen, schaffte Österreich in Zschopau bei den Bezirksmeisterschaften mit 22,11 m einen sensationellen Weltrekord. Seine Weite lag über dem damals gültigen Weltrekord von 22,00 m von Alexander Baryschnikow (UdSSR). Dieser Rekord wurde jedoch vom DVfL der DDR nicht als Weltrekord eingereicht. In der Liste des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) der zehn besten Athleten in jeder Disziplin werden die 22,11 m Rolf Österreichs mit der folgenden Anmerkung geführt: „Leistung wurde vom damaligen DVfL der DDR aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht anerkannt.“[1]

Fortan verschwand Österreich mit seinen bisherigen Leistungen aus allen DDR-Listen, „weil diese auf Kreismaßstab stattfanden und nicht in Wettkämpfen mit der DDR-Spitzenklasse bestätigt wurden.“ [2] Dabei wurde verschwiegen, dass Österreich zu solchen Wettkämpfen nie eingeladen wurde. Später versuchten Sportfunktionäre, ihn mit Geld und einer Trainerstelle zum Aufhören als Wettkämpfer zu bewegen, da befürchtet wurde, dass er offiziellen Weltrekord stoße und die Entscheidung der DDR-Führung, ihn nicht als Leistungskader zuzulassen, infrage gestellt würde. Ab 1977 arbeitete Rolf Österreich beim SC Karl-Marx-Stadt als Trainer.“


In einem Videobeitrag des MDR konnten sich die Besucher ein Bild von dem nunmehr 67 jährigen Trainer aus Chemnitz machen: https://www.youtube.com/watch?v=7g5Od-0Rh48

Launig und auch bedrückend waren die Aussagen von Rolf Oesterreich über seinen Sport in der DDR. Es durfte damals eben nicht sein, was nicht sein durfte…… Für die Zuhörer – insbesondere die älteren – war der Bericht über seine Einsicht in die Stasi-Akten besonders beklemmend. Er musste daraus erfahren, wer ihn alles „verhindert“ hat und wer über ihn Berichte und Dokumente angefertigt hat. „Derjenige, der damals meine Leistung als „ungültig“ und als „nicht zu werten“ bestimmt hat, war 25 Jahre später sein Vorgesetzter in seinem Beruf als Trainer. Man sieht sich halt immer zweimal.

Heute arbeitet Rolf Oesterreich immer noch als erfolgreicher Trainer und Förderer insbesondere der Drehstoßtechnik im Kugelstoßen: „Alle Jugendlichen sollten zuerst die Drehstoßtechnik lernen..“ mahnte er die anwesenden Trainer und Lehrer an. Der Kugelstoßer Arthur Hoppe unterstrich dies. Früher als Diskuswerfer, der eigentlich zu klein war, kam er durch Zufall mit Rolf Oesterreich zusammen, der in flux davon überzeugte, dass er es doch mit der Drehstoßtechnik versuchen soll. Und so kam der Erfolg in dieser Technik zurück. Auch Hoppe ist mittlerweile von dieser Technik überzeugt und begeistert.

Noch kein Begriff war im Übrigen für Niko Kappel der Name Oeterreich. Auch Niko ist Drehstößer. Man sah am Abend eine Runde mit Experten zusammensitzen: Oesterreich, Gratzer, Hoppe und Kappel. Es bleibt abzuwarten, was sich daraus entwickelt.

Die Wahl war wohl so schwer wie in keinem Jahr davor. Auch in diesem Jahr sollte wieder ein Athlet oder eine Athletin zum „Sportler des Jahres“ gekürt werden. Mit drei Olympiateilnehmern und erfolgreichen Athleten über die Saison hinweg eine schwierige Entscheidung.

Jedoch stellte sich im Herbst nur eine Person in den Mittelpunkt: Niko Kappel.

Ein unglaublicher Lauf hat Niko Kappel, der sich selbstbewusst als „Bonsai“ bezeichnet im Herbst: Gewinn der Goldmedaille bei den Paralympics in Rio, Auftritte bei Empfängen und Veranstaltungen, zu Gast bei der Bundeskanzlerin und bei diversen Fernsehshows und zuletzt von den Sportlern in Deutschland zum „Behindertensportler des Jahres 2016“ gewählt. Unglaublich.

Barbara Erath schilderte in ihrer rührenden Laudatio die Anfänge mit Niko. War sein Auftreten am Anfang eher belächelt: ich möchte bei den Frauen mitmache (4 kg) – zeigte sich sehr schnell, dass das quirlige Kraftpaket sich immer mehr steigerte. Von anfangs 12 m bis jetzt nur noch 3 cm vom Weltrekord seine Klasse entfernt. Alle lieben Niko. So war es auch eine große Freude, als sich Niko in diesem Jahr den Sindelfinger Leichtathleten anschloss und fortan im blauen Trikot mit dem Elsässer Logo auf der Brust seine Erfolge feierte. Mit „standing Ovations“ jubelten alle „ihrem“ Niko zu. Es gibt vermutlich keinen Menschen, der so gewinnend lachen und strahlen kann wie Niko Kappel.

Wie immer wurde der Abend umrahmt von einem Leichtathletik-Quiz. Das Schätzspiel von Rolf Homann und Assistent Deniz Almas drehte sich in diesem Jahr um die Ausstattung des Floschenstadions. Zu schätzen war, wie viele Wurfgeräte (Kugeln, Disken, Speere, Bälle,…) sich im Umfeld des Stadions befanden. Die Inventur hatte zuvor Jugendwart Hansjürgen Burgstahler gemacht, der urlaubsbedingt nur in der Karibik den Wettbewerb verfolgen konnte.

Die „wahre“ Zahl war 880. Sehr weit weg oder sehr nah dran. Die Auswertung und die Verleihung der Preise waren wie immer ein spannender Moment und eine gute Idee für diesen Abend. Die Erlöse dieses Quiz gehen in die Jugendkasse für weitere Projekte der Leichtathletik-Jugend.

Geschlossen wurde der schöne Abend mit dem Hinweis auf die in den nächsten Wochen zahlreich anstehenden Leichtathletik-Hallenveranstaltungen im Glaspalast. Mit insgesamt 9 Veranstaltungstagen in drei Monaten ist dies eine enorme Herausforderung. Höhepunkt werden in diesem Jahr die Deutschen Jugendhallenmeisterschaften sein. Diese werden am Faschingswochenende ausgetragen.

erstellt von Dieter