Ein Wiedersehen nach 60 Jahren
  05.08.2015 •     Pressemitteilung

Leichtathletik: Im August 1955 trafen sich im Floschenstadion Athleten aus Gera, Waiblingen und Sindelfingen zu einem Vergleichskampf

Ein spannender Wettkampf, hochmotivierte Athleten und eine ganz besondere Stimmung herrschte vor fast 60 Jahren im Sindelfinger Floschenstadion. Das zumindest berichten Zeitzeugen, die am 28. August 1955 am Vergleichskampf zwischen den Leichtathletikvereinen BSG Lokomotive Gera, dem VfL Sindelfingen und dem VfL Waiblingen teilnahmen.

 

Am vergangenen Dienstag, beim traditionellen Sindelfinger Sommerfest, sind einige dieser Wettkämpfer wieder zusammen gekommen. Darunter auch Herbert Bohr, der seit 1956 bei der Sindelfinger Leichtathletik ist, 1955 aber im Trikot der BSG Lokomotive Gera erstmals ins Floschenstadion einlief.

Schließlich war vor 60 Jahren noch vieles anders. Das Floschenstadion war gerade ein Jahr alt geworden, am 7. August 1954 ausgerechnet mit einem Handballspiel eingeweiht. Die sagenumwobene Bahn bestand noch aus Asche, die Linien wurden mühsam mit einer Schubkarre hineingezogen.

Ein beeindruckendes Luftbild bewegte die Leichtathleten aus Gera, zum Vergleichskampf in Sindelfingen. Nach einem Anschreiben der BSG Lokomotive Gera kamen positive Antworten aus Tübingen, Waiblingen, Kornwestheim und eben Sindelfingen.

Der damalige BSG-Abteilungsleiter Werner Scheffler begutachtete gemeinsam mit Herbert Bohr die Antworten der Vereine, Scheffler tendierte zu Tübingen. „Ich habe nur auf das Luftbild vom Floschenstadion gezeigt, dem konnte man nicht widerstehen und seitdem bin ich hier“, so Herbert Bohr, der in seiner Zeit in Sindelfingen unter anderem das internationale Hallen-Sportfest IHS mit neun Weltrekorden organisiert hat.

Nach einiger Vorlaufzeit konnte der Vergleichskampf auch tatsächlich stattfinden. Jüngster Teilnehmer von damals: Claus Elle, Diskuswerfer aus Gera, der sich am Dienstag im gealterten Floschenstadion erinnerte: „Ich stand gar nicht in der Teilnehmerliste. Ich war noch A-Jugendlicher und wurde kurz vor dem Wettkampf gefragt, ob ich die Mannschaft verstärken könnte.“

Aus Waiblingen ist Fritz Hauser an seine alte Wettkampfstätte zurück gekehrt. Er gilt als Entdecker von Dieter Baumann. Die Sindelfinger Reihen vertraten Stabhochspringer Erich Kölle und Sprinter Alfred Schwab. „Ich bin mehrmals handgestoppte elf Sekunden gelaufen und war damit beim VfL der schnellste. Vor 60 Jahren war das ein großartiger Kampf, an den ich mich gerne erinnere.“ Auch Artur Stolz, im Wettkampfbüro beschäftigt, erinnert sich: „Damals hatten wir noch keinen Computer, und bei großen Veranstaltungen war es sehr aufwendig Ergebnisse aufzunehmen und Läufe zu setzen.“

Zu den Leichtathletik-Zeiten in den Sechziger Jahren war es außerdem üblich vor Wettkämpfen in Gastfamilien zu übernachten. Für Claus Elle gab es deswegen am vergangenen Dienstag ein ganz besonderes Wiedersehen. Damals durfte er das Gästezimmer der Familie Welker beziehen, in eben jenem Zimmer hat er nach 60 Jahren wieder übernachtet.

60 Jahre nach dem Vergleichskampf trafen sich Artur Stolz, Erich Kölle, Fritz Hauser, Alfred Wagner, Alfred Schwab, Claus Elle, Heinz Hornikel und Herbert Bohr (von links) erneut im Sindelfinger Floschenstadion. Bild: Photo 5

erstellt von szbz.de