Die Berg- und Talfahrt der Anna Becker
  22.02.2017 •     Pressemitteilung

Die deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig boten auch abseits des Silbermedaillengewinnes von Florian Gaul viel Dramatik.

Zuerst mit Ach und Krach im Finale, dann wieder draußen und am Ende dann ein packender Endlauf mit Sindelfinger Beteiligung: Anna Becker erlebte in Leipzig ein Wechselbad der Gefühle. Im 1500-Meter-Vorlauf stürmte sie mit dem Startschuss nach vorne und führte die ersten 1000 Meter das Feld an. Eine ungewohnte Situation für die Sindelfingerin, waren doch viele der Konkurrentinnen in dieser Saison schon deutlich schneller unterwegs. Doch die restlichen Läuferinnen hielten sich zurück und überließen Anna Becker die ungeliebte Aufgabe, für das Tempo zu sorgen. Auf den letzten Metern begannen dann der Angriff der Läuferinnen und der Kampf um die Platzierungen, der mit viel Ellenbogeneinsatz geführt wurde. Mittendrin war Becker, die einiges einstecken musste und als Fünfte in 4:33,73 Minuten die Ziellinie überquerte. Auf den ersten Blick zu wenig für den Endlauf, der normalerweise mit den besten zwölf Athletinnen stattfindet. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Eine Läuferin sollte zu viel geschubst haben und wurde disqualifiziert, Becker war wieder im Endlauf, die betroffene Athletin legte Protest ein, diesem wurde stattgegeben, das Kampfgericht hatte nämlich die Falsche für die Übeltäterin gehalten. Die VfL-Athletin war wieder draußen. Mithilfe von Kameraaufnahmen wiesen die Sindelfinger daraufhin aber nach, dass sehr wohl eine andere Läuferin zu viel Ellenbogeneinsatz gezeigt hatte. Anna Becker durfte im Finale antreten. Trainer Harald Olbrich verfolgte das Drama aus der Ferne. Er hatte sich zum Frisör verabschiedet. Ein ähnliches Drama ereignete sich über die 60-Meter-Hürdenstrecke. Gleich vier Athletinnen waren 8,50 Sekunden schnell gelaufen, so auch Sabrina Lindenmayer. In einem zeitaufwendigen Verfahren wurde genau bestimmt, welche Athletin minimal schneller gelaufen war und den achten Platz im Endlauf verdiente. „Die anderen sind einfach rumgesessen und haben auf die Entscheidung gewartet, ich habe mich natürlich vorsorglich warm gemacht und vorbereitet“, erzählt Lindenmayer. Ein Glück, denn schlussendlich fiel nur kurz vor dem Hürdenfinale die Entscheidung für die Sindelfingerin. Lindenmayer machte das Beste aus der Situation und rannte mit einem soliden Lauf auf den sechsten Platz. Im Schatten von Florian Gaul schwang sich auch Leo Lohre hoch hinaus. Im Stabhochsprungwettkampf blieb er nur knapp unter seiner Saisonbestleistung und überquerte im dritten Versuch 5,28 Meter. Bei den deutschen Meisterschaften bedeutete das Platz neun. „Ich bin zufrieden, ich wäre zwar gerne etwas höher gesprungen und unter die ersten Acht gekommen, aber es war toll wieder bei deutschen Meisterschaften dabei zu sein.“ Mit einer neuen Saisonbestleistung von 8,67 Sekunden lief Carolina Krafzik über die Hürdenstrecke in ihrem Vorlauf auf Platz sieben, schaffte die Qualifikation für das Finale aber nicht. Am Sonntag ging es über die 200-Meter-Strecke weiter. Doch nach der zweiten Kurve dann das Unglück: Krafzik stolperte und landete unsanft auf der blauen Bahn. Bis auf ein paar Schürfwunden war zwar nichts geschehen, den Lauf musste die Sindelfingerin trotzdem abbrechen.

erstellt von Saskia Drechsel / SZBZ