Der Paukenschlag von Tobias Dahm
  09.03.2015 •     Pressemitteilung

Leichtathletik: Der Sindelfinger Kugelstoßer belegt bei seiner Europameisterschafts-Premiere in Prag im Finale den achten Platz

Damit hatte der 27-Jährige selbst nicht so wirklich gerechnet. Doch im Vorkampf der Männer lief am Donnerstagabend tatsächlich alles nach Plan. Bei den deutschen Meisterschaften war Tobias Dahm auf einem guten zweiten Platz gelandet, doch der Sindelfinger haderte mit sich und seinem letzten Versuch. Den Vizemeistertitel gewann er mit 19,61 Metern, doch in seinen letzten Durchgang hatte er alles gelegt. Die Kugel flog so weit wie noch nie unter dem Hallendach, doch Dahm konnte sich nicht im Ring halten, fiel über den Balken, sein Versuch wurde ungültig gewertet.

Und so gab er vor den Europameisterschaften das klare Ziel aus. „Ich will so einen Stoß, wie den letzten bei den Deutschen schaffen und halten.“ Im Vorkampf der Kugelstoßer in Prag traf Dahm auf 31 Athleten. Doch der Sindelfinger ließ sich von der Konkurrenz nicht einschüchtern und setzte gleich im ersten Durchgang ein Ausrufezeichen.

Wie schon so oft war der Kugelstoßer in dem ersten Durchgang eines Wettkampfes hoch konzentriert. Auf seinen Versuch folgte ein langer Schrei, denn auch der Athlet merkte: Das war ein weiter Stoß. Gemessen wurden schließlich 19,97 Meter. Damit hatte Tobias Dahm nicht nur eine neue Bestleistung erzielt, nach dem ersten Durchgang lag er außerdem auf Platz sechs in der Gesamtwertung. Nach langem Warten dann der zweite Versuch, Dahm hatte die 20 Meter vor Augen, wollte es endlich über die magische Marke schaffen und setzte erneut einen starken Stoß. Doch wie in Karlsruhe verlor er auch in Prag das Gleichgewicht, berührte den Boden außerhalb des Rings und machte so seinen Stoß ungültig.

Inzwischen hatten noch zwei weitere Konkurrenten weiter gestoßen und den Sindelfinger mit ihrem Ergebnis überboten. Dahm war auf den achten Platz abgerutscht. Dann begann eine Dreiviertelstunde des Zitterns und Wartens. Dahm wollte unbedingt ins Finale, es waren aber viele starke Stoßer mit ihrem dritten Versuch erst noch an der Reihe. „Die letzten 45 Minuten waren sehr anspannend. Es hätten noch einige weiter stoßen können“, so Dahm.

Der 27-Jährige musste zusehen, konnte nicht mehr in den Wettkampf eingreifen und bemerkte: Einer nach dem anderen der Konkurrenten schied aus, keiner kam an die scheinbar in Stein gemeißelte Weite Dahms heran. Beim weiten Stoß des Bulgaren Georgi Ivanov sahen schon viele die Finalchance des Sindelfingers schwinden, doch es wurden zwei Zentimeter zu wenig gemessen.

Als Letzter trat der Tscheche Tomá Stanek in den Ring. „Ich habe nicht hingeschaut bei seinem Versuch“, gesteht Dahm. Doch auch der letzte Versuch Staneks wurde ungültig gegeben. „Das war gut für mich“, konnte es VfL-Athlet Dahm noch gar nicht richtig glauben. „Ich bin zufrieden. Ich war als 22. oder 23. gemeldet. Jetzt bin ich als Achter im Finale“, sagt Dahm, der seinen Konkurrenten mehr zugetraut hätte, etliche schieden ohne einen gültigen oder guten Versuch aus. „Beim Einstoßen hat man schon gesehen, dass man als Drehstoßer weit stoßen kann. Aber man muss den Versuch auch halten.“

Dahm selbst hatte im Wettkampf keine Probleme mit den Gegebenheiten. „Ich fand den Ring ganz gut. Man musste das linke Bein sauber setzen, sonst war es relativ glatt.“ Auch für das Finale am Folgetag hatte Dahm schon ein klares Ziel: „Wer 19,97 Meter stehen hat, der will 20 Meter stoßen.“ Doch am Freitagabend musste Dahm dem spannenden Wettkampf am Vortag Tribut zollen. Sein Ziel, die 20-Meter-Marke zu knacken, erreichte der 27-Jährige nicht. Dahm gelang dennoch ein guter Abschluss. Seine Tagesbestweite erzielte er erneut im ersten Versuch. Bei 19,58 Metern landete die 7,26-Kilogramm-Kugel. Es folgten weitere drei Stöße über die 19-Meter-Marke, doch der Sindelfinger konnte sich nicht weiter steigern.

Während David Storl mit 21,23 Metern seinen ersten Hallen-Europameistertitel feierte, war Dahm mit seinem achten Platz zufrieden. Auch wenn sich der Top-Athlet etwas mehr erhofft hatte. „Leider lief es heute nicht so, wie ich es gern gehabt hätte. Aber das ist auch für mich ein bisschen nachvollziehbar nach den 45 Minuten Anspannung, ob ich nun weiter bin oder nicht“, sagt Dahm.

Nun steht für ihn erst einmal eine kleine Trainingspause an, dann geht es weiter mit der Vorbereitung für die Freiluftsaison. „Ich will im Aufbau für den Sommer voll ran klotzen, dass endlich diese 20 Meter fallen“, so der EM-Achte von Prag.

erstellt von szbz.de