Dem großen Jubel folgt die Enttäuschung
  11.07.2014 •     Pressemitteilung

Vor nicht ganz einem Monat stieß sich der Athlet des VfL Sindelfingen in den Kreis der WM-Kandidaten. Lange hatte der Drehstoßtechniker auf diesen gelungenen Versuch gewartet, in Leipzig konnte er sein großes Talent zeigen. Seine Kugel flog über 18,50 Meter, die geforderte Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaften und noch gut einen Meter weiter.

Seitdem steht die Bestmarke von Simon Bayer bei starken 19,72 Metern. Die Leistung des Kugelstoßers kam scheinbar aus dem Nichts, ist aber Resultat vieler harter Trainingsstunden. „Ich treffe die Kugel einfach das erste Mal und weiß jetzt, wie ich weit stoßen kann“, erklärt sich Bayer das starke Resultat. In den nächsten Wettkämpfen bestätigte er seine Top-Leistung, übertraf noch mehrere Mal die WM-Norm und die 19-Meter-Marke und stabilisierte sich auf dem neuen Niveau.

Eine gute Bewerbung für einen Startplatz bei der Leichtathletik-WM, wären da nicht zwei weitere deutsche Kugelstoßer, die Simon Bayer vor der Nase hat. Patrick Müller vom SC Neubrandenburg konnte in diesem Jahr schon die 20-Meter-Marke deutlich knacken. Henning Prüfer vom SC Potsdam hat eine um 17 Zentimeter bessere Bestleistung im direkten Vergleich mit Bayer vorzuweisen.

Doch allein die Bestweiten sollten keinen Ausschlag für einen WM-Startplatz geben, so war zumindest Simon Bayer informiert worden. Die Junioren-Gala in Mannheim sollte die Entscheidung bringen, wer zur Weltmeisterschaft fährt und wer zu Hause bleiben muss. Und so stand für den Sindelfinger Bayer die Marschroute fest: Nachdem die Norm geschafft war, wollte er viele Wettkämpfe auf konstantem Niveau zeigen und dann in Mannheim zuschlagen und den zweiten Platz holen.

„Mein Ziel war, Henning Prüfer zu schlagen. Natürlich war ich aufgeregt, da es ja immer hieß, Mannheim zählt“, sagt Bayer. Doch davon ließ er sich am Samstag nicht verrückt machen. Auch mit den schlechten Bedingungen kam der VfL-Athlet zurecht. Nach starkem Regen war der Kugelstoßring rutschig, gerade für einen Drehstoßtechniker ein zusätzliches Erschwernis. Erst gegen Ende war der Ring abgetrocknet und ließ weite Stöße zu.

Im letzten Durchgang schaffte Bayer dann auch seinen weitesten Stoß. Auf 19,44 Meter flog die Sechs-Kilogramm-Kugel. Das bedeutete Platz zwei, Prüfer war um fast einen Meter geschlagen, Simon Bayer jubelte. Die WM-Teilnahme schien sicher. „Ich hätte sogar Patrick Müller an diesem Tag schlagen können, denn beide sind gerade nicht in Form“, sagt Bayer.

Nach seinem Triumph von Mannheim kam am Anfang dieser Woche dann die böse Überraschung: Trotz der Niederlage wird Henning Prüfer zu den Weltmeisterschaften fahren, Simon Bayer ist lediglich als Ersatzmann nominiert, falls sich ein Kugelstoßer verletzt, wird der Sindelfinger nachfliegen.

Eine Entscheidung, die Simon Bayer nicht verstehen kann, schließlich galt die Junioren-Gala in Mannheim in den letzten Jahren immer als maßgeblich für die Startplatzverteilung bei internationalen Meisterschaften.

„Wenn Mannheim so an Bedeutung verloren hat, brauchen sie so eine Junioren-Gala gar nicht machen. In den Nominierungsrichtlinien steht, dass sich die Nominierungsentscheidung in den Einzeldisziplinen an den besten Leistungen orientiert. Das ist so nicht eindeutig. Orientiert ist ein schwammiger Ausdruck, der wahrscheinlich bewusst gewählt wurde, damit man Freiheiten hat“, sagt der Sindelfinger.

So entschied sich der Kugelstoß Bundestrainer Gerald Bergmann für seinen ehemaligen Schützling Hennig Prüfer, aufgrund dessen weiteren Saisonbestmarke. Simon Bayer wurde über die Entscheidung nicht benachrichtigt und erfuhr seine Nicht-Nominierung erst über das Online-Portal leichtathletik.de. „Ich habe keine persönliche Nachricht bekommen. So was geht nicht und ist inakzeptabel, so kann mit Athleten nicht umgegangen werden“, ärgert sich Simon Bayer, der indes kein Einzelfall ist.

Auch der Tübinger David Nopper, ebenfalls ein Athlet des württembergischen Leichtathletikverbandes, landete am Wochenende in Mannheim im Hochsprung auf Platz zwei, und darf trotz der geknackten Weltmeisterschafts-Norm und dem Sieg gegen Konkurrent Falk Wendrich nicht mit nach Eugene.

Trotzdem ist die Bundestrainer-Entscheidung bei den Startplätzen im Kugelstoßen doppelt bitter: Der nominierte Hennig Prüfer wird in Eugene nämlich nicht nur im Kugelstoßen antreten, auch im Diskuswurf ist er gesetzt, zu den Weltmeisterschaften wäre der Potsdamer also sowieso gefahren. „In meinem Fall handelt es sich um eine Platzwegnahme durch einen Doppelstarter“, weiß Bayer, der sich um eine große Chance betrogen fühlt.

„Diese internationale Erfahrung, die man bei Weltmeisterschaften macht, kann oft ausschlaggebend für spätere Hochleistungen im Erwachsenenbereich sein. Es gibt viele Athleten, die wegen so was ihre Karriere beendet haben. Und somit ist diese Entscheidung das Gegenteil von Fairness und Förderung der Jugend.“

Aufgeben kommt für den Sindelfinger nun trotzdem nicht infrage. Während seine Altersgenossen nach Eugene reisen, will sich Bayer auf die deutschen Jugendmeisterschaften vorbereiten.

„Mein Ziel ist ganz klar gesetzt: Deutscher Jugendmeister im Kugelstoßen in Wattenscheid. Auch in den nächsten Wochen werde ich meine Form weiter bestätigen und vielleicht klappt es ja mit den 20 Metern auch noch.“

erstellt von szbz.de (sd)