Das Malheur mit dem Muskel
  13.08.2014 •     Pressemitteilung

Während die Sindelfinger Hürdensprinterin Nadine Hildebrand bei der Europameisterschaft in Zürich um die Endlauf-Teilnahme kämpfte, ärgerte sich VfL-Nachwuchssprinter Sebastian Neumann daheim in Gärtringen über seine verpassten Chancen in dieser Saison.

Das Pech lief mit Sebastian Neumann mit. Der VfL-Sprinter war zu Beginn dieser Wettkampfserie so schnell wie noch nie und machte sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz im Aufgebot des deutschen Leichtathletikverbandes für die Jugend-Weltmeisterschaften. Der Traum zerplatzte innerhalb von vier Wochen, Neumann zog sich gleich zwei Muskelfaserrisse zu, die Titelkämpfe waren gelaufen. Inzwischen hat Sebastian Neumann die größte Enttäuschung überwunden, über die verpasste Chance ärgert sich der VfL-Athlet aber noch heute. Alles begann mit einem starken Start in die Freiluftsaison 2014. Nachdem Neumann schon in der Halle flott unterwegs gewesen war, legte er bei den baden-württembergischen Meisterschaften so richtig los. Seine Bestzeit steigerte er auf 10,67 Sekunden. Die Jugend-Weltmeisterschaften waren plötzlich in Reichweite. Für eine Nominierung für die DLV-Staffel rechnete sich Neumann nun gute Chancen aus. Auch weiterhin zeigte er schnelle Wettkämpfe, steigerte in Regensburg seine Bestzeit gar auf 10,65 Sekunden. „Die Saison hat mir eine unglaubliche persönliche Bestleistung gebracht, die ich auch oft bestätigen und sogar noch verbessern konnte“, sagt Sebastian Neumann. Dann kam es zu den zwei entscheidenden Wettkämpfen: In Regensburg fand ein Qualifikationswettkampf für die U20-WM statt. In der ersten Staffel des deutschen Leichtathletikverbandes wurde Sebastian Neumann als Schlussläufer eingesetzt. Schon vor dem Lauf lief aber alles anders als geplant: Mehrmals verzögerte sich Neumanns Einsatz. „Da ist meine Muskulatur dann schon ziemlich fest geworden“, erzählt der Sprinter. Als schließlich der Staffellauf gestartet wurde, ging es auf Position vier auch für Neumann ans Sprinten. „Ich bin losgelaufen und nach 30 Metern ist es passiert. Ich habe den Staffelstab bekommen und dann ist es mir reingefahren und ich konnte nur noch auslaufen lassen“, so der VfL-Athlet weiter. Diagnostiziert wurde ein Muskelfaserriss am hinteren Oberschenkel und plötzlich war der Traum von den Weltmeisterschaften in Eugene in Gefahr. „Ich hätte besser auf meinen Körper hören müssen. Muskulär habe ich mich vor dem Ablauf in der Staffel schon nicht wirklich gut gefühlt, aber der Leistungsdruck bringt dich dann dazu, trotzdem zu starten.“ Doch so schnell wollte Neumann nicht aufgeben. Der Sindelfinger gab alles, um bis zum entscheidenden Qualifikationswettkampf in Mannheim wieder fit zu sein. Alles schien soweit zu klappen, die Genesung ging schnell voran, drei Wochen vor dem Wettkampf in Mannheim testete Neumann seine Form bei ersten Sprints, dann passierte das zweite Unglück. Der Sprinter machte einen Hochstart, schon beim zweiten Schritt riss ihm dieselbe Muskelfaser. Sebastian Neumann blieb lange auf dem Boden liegen, schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Vorbei der WM-Traum, keine Chance mehr auf einen Einsatz im Nationaltrikot. Inzwischen schaut Neumann wieder nach vorne, der Muskel schmerzt zwar noch, auf die deutschen Jugendmeisterschaften verzichtete er, um weitere Verletzungen zu verhindern. „Ich habe meine Saison beendet und werde bis zum Beginn der Vorbereitung Ende September Pause mache. Ab und zu gehe ich joggen oder in den Kraftraum, um mich einigermaßen fit zu halten.“ Zufrieden mit seiner Saison voller Verletzungen ist er nicht, über die starke Bestzeit kann er sich freuen, die Wettkampfsaison nach der Hälfte schon beenden zu müssen, ärgert Neumann. „Das ist schon sehr deprimierend und enttäuschend, bei der langen und zeitintensiven Vorbereitung. Aber auf der anderen Seite hat mir die Saison gezeigt, dass ich mit den besten deutschen Jugendlichen im Sprint mithalten kann. Auch für sein doppeltes Unglück hat der Sindelfinger inzwischen Erklärungen gefunden: Die Genesung eines Muskelfaserrisses dauert bis zu sechs Wochen. „Da wir dem ersten Riss aber nur vier Wochen gegeben haben, kam dann der zweite hinterher. Der Muskel war einfach noch nicht ausgeheilt, es war zu früh“, so Neumann. Und Ziele für die nächste Saison hat sich der Sprinter auch schon vorgenommen. „Ich möchte im nächsten Jahr angreifen und meine Bestleistung noch ein wenig steigern, um auch in der deutschen Spitze bei den Junioren mithalten zu können.“ Zwar werden sich die Umstände in der kommenden Saison ändern, Neumann beginnt ein Studium in Esslingen, doch die Motivation ist beim 19-Jährigen ungebrochen. „Mein Traum ist immer noch ein internationaler Einsatz für Deutschland und vielleicht klappt es ja als Junior, da gibt es auch zwei Chancen 2015 und 2017 bei der Junioren-Europameisterschaft.“

erstellt von Saskia Drechsel (SZ)