Dahm und Volzer jubeln über Silber
  24.02.2020

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 24.02.20: Es war ein emotionaler Samstagabend bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in der Leipziger Leichtathletik-Arena. Kurz hintereinander brachte erst Tobias Dahm mit seinem Silbermedaillengewinn im Kugelstoßen die Anhänger des VfL Sindelfingen zum Jubeln, dann überraschte Stefan Volzer, ebenfalls mit dem Vizemeistertitel über die 60-Meter-Hürden.

 

Zum Abschluss des Abends setzte sich Deniz Almas, zwar seit zwei Jahren nicht mehr im Sindelfinger Trikot, aber den Blau-Weißen immer noch eng verbunden, die Sprintkrone auf.

Der erste Versuch des Tobias Dahm im Kugelstoßwettkampf war ein Befreiungsschlag, der eine ganze Menge Steine vom Herzen des Zwei-Meter-Hünen fallen lies. Die 7,26-Kilogramm-Kugel schlug nämlich bei 20,13 Metern ein. Eine Weite, die allein durch das Überwinden der 20-Meter-Marke ein Meilenstein ist. Fast vier lange Jahre lang war es dem 32-Jährigen nicht mehr gelungen, diese Marke zu überwinden. In der Hallensaison 2016 klappte der Stoß in neue Sphären zum ersten Mal, wenige Monate später gelang die Olympia-Qualifikation. Kurz vor den Spielen in Tokio nun also die Wiederholung. „Der Wettkampf ist so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt Dahm. Auf 19,24 Meter war die Kugel im letzten Wettkampf geflogen, nun die Steigerung um fast einen Meter. „Der Stoß war das, woran wir in jedem Training arbeiten“, so der Sindelfinger weiter.

Angleit-Techniker obenauf

Zwar zeigte sich zumindest David Storl unbeeindruckt und konterte kurz danach mit 20,58 Metern, der restlichen Konkurrenz fiel aber keine Antwort ein. Dahm zeigte auch im weiteren Wettkampf weite Stöße, konnte sich aber nicht mehr steigern. „Ich habe versucht, alles in den ersten Stoß zu setzen.“ Erst im letzten Versuch wuchtet ein Dritter, der Leipziger Dennis Lewke, seine Kugel ebenfalls über die 20 Meter und sorgte für ein gutes Gesamtergebnis. Zur aktuellen Debatte lieferten die drei Deutschen einen Kontrapunkt: Die Medaillen gingen durchgehend an Angleit-Techniker.

Nur wenige Minuten später sorgte Stefan Volzer für den zweiten Paukenschlag aus Sindelfinger Sicht. Mit einer neuen Saisonbestleistung von 7,97 Sekunden über die 60-Meter-Hürden hatte er sich ebenso wie Aleksandar Gacic für das Finale qualifiziert.

Um die Goldmedaille wollten sich die beiden schnellsten deutschen Hürdensprinter Gregor Traber und Erik Balnuweit duellieren. Dann folgte ein Fehlstart, das Rennen fand ohne den Wattenscheider Balnuweit statt. „Ich hatte Angst, dass es Aleks erwischt. Als sie Erik disqualifiziert haben, hat er lange rumdiskutiert, das war nicht ideal, wir standen davor schon recht lange herum“, so Volzer. „Ich habe mich aber nicht verrückt machen lassen“, so der Sindelfinger. Nach dem Startschuss gab er Vollgas. Zwar kam er nicht ideal aus dem Startblock und blieb an der zweiten Hürde hängen, sodass Gregor Traber in Führung ging, Volzer kämpfte aber und schmiss sich als Zweiter ins Ziel.

Der Knoten ist geplatzt

Die Uhr blieb bei 7,93 Sekunden stehen, Saisonbestzeit. „Ich bin happy, der Knoten ist geplatzt“, sagt Stefan Volzer, für den die Hallensaison nicht rund lief. Auch Aleksandar Gacic darf zufrieden sein. Er lief im Finale auf den fünften Platz.

Wenig später das 60-Meter-Finale der Männer. Deniz Almas war viele Jahre im Sindelfinger Trikot an den Start gegangen, hatte sich unter Trainer Peter Wiesner zu einem Top-Athleten entwickelt, im Trikot das VfL Wolfsburg zog er allen davon: In 6,60 Sekunden krönte er sich zum Sprintkönig.

Eine Überraschung gab es für Lisa Sophie Hartmann am Sonntag. Am Vortag hatte sie mit ihrem 400-Meter-Lauf in neuer persönlicher Bestleistung von 53,98 Sekunden das Finale verpasst.

Zwar zeigte sie die fünftschnellste Zeit des Feldes, wurde in ihrem Vorlauf aber nur Dritte. „Weil Jackie Baumann heute Morgen abgesagt hat, ist Lisa in den Endlauf nachgerutscht. Wir haben am Frühstückstisch Anrufe von allen Seiten bekommen“, erzählt VfL-Geschäftsführerin Barbara Erath. Hartmann griff die Gelegenheit beim Schopf und präsentierte sich auch im Finale stark. Mit 53,87 Sekunden steigerte sie nochmals ihre Bestleistung und lief auf den fünften Platz.

Voll Vorfreude war Jasmin Pansa am Freitag nach Leipzig gereist. Für die Studentin waren es die ersten nationalen Meisterschaften bei den Aktiven. Am Samstag stand ihr Vorlauf über die 60-Meter-Strecke an. Doch bei der Vorbereitung auf den Wettkampf dann der Rückschlag: „Ich habe das Aufwärmen gestern abbrechen müssen, weil ich mit muskulären Problemen im Oberschenkel zu kämpfen hatte“, sagt Pansa.

Den Schlusspunkt unter ein spannendes Meisterschaftswochenende setzte das VfL-Staffelquartett. Emanuel Stubican, Yannic Krings, Niklas Rippon und Aleksandar Gacic liefen in 1:31,48 Minuten über 4 x 200 Meter auf den 10. Platz.

Die Silber-Gewinner: Stefan Volzer und Tobias Dahm

erstellt von Saskia Drechsel in der SZBZ vom 24.02.20